Objekt:

 Rollsiegel (schwach konkaver Zylinder), Hämatit (§ 357-360), 21,9 x 10,3 mm.

Datierung:

 Altbabylonische Zeit (1850-1750).

Herkunft:

 Mesopotamien.

Sammlung:

 Fribourg, Sammlungen BIBEL+ORIENT, VR 1981.81.

Darstellung:

 Adorationsszene vor Gott mit der Keule, dreifigurig axialsymmetrisch: je eine fürbittende Göttin mit langem Rückenband und einem doppelten Armreifen am „äusseren“, erhobenen Arm vor nach rechts blickender Figur im kurzen Schurz mit spitzer Mütze, Knotenfrisur, verwehtem Bart und Keule in der vor den Körper gelegten linken Hand; im unteren Zwischenfeld links ein Krummstab, rechts ein krummbeiniges Männchen mit flacher Kappe, den Kopf der Mittelfigur zugewandt; zweizeiliger, nach unten offener Inschriftenkasten.

Diskussion:

 Der Krummstab kann nach Braun-Holzinger 1996: 257f. als Beschwörungsgerät gedeutet werden. Er vertritt den Gott Amurru (Braun-Holzinger 1996: 287), vgl. Keel-Leu/Teisseir 2004: Nr. 110, und ist oft zwischen der Fürbitterin und dem König/Gott mit der Keule abgebildet: Collon 1986a: 51 D. 7. E. Porada, mündlich, möchte das Siegel in die Zeit Rīm-Sîns von Larsa (ca. 1822-1763) datieren; im Süden ist der Gott mit der Keule erst ab Warad-Sîn (ca. 1834-23) belegt, s. Blocher 1992: 78. [ergänzter Text von Keel/Schroer 2004: Nr. 54: Der Gott mit der Keule gehört wie die nackte Göttin zu den Bildmotiven, die in der altbabylonischen Glyptik neu sind. Früher nannte man die Figur «Gottkönig als Krieger» (Moortgat 1940). Typisch für die Gestalt ist die Pose des siegreichen Naram-Sin von Akkade auf seiner berühmten Stele (Pritchard 1954: Nr. 309; Keel 1996c: Taf. 19). Ebenso dieser Figur vorbehalten ist der aufgefächerte, auch «verweht» genannte Bart. Die Kleidung besteht aus einem Schal, der über den angewinkelten Arm herunterfällt und unten in einem über den kurzen Schurz herausragenden Zipfel endet. Weil die Kopfbedeckung die seit Gudea für Herrscher übliche Breitrandkappe ist, wird die Figur hier als «König mit Keule» bezeichnet. Mit Blocher (Blocher 1992: 66 Anm. 75) kann man sagen, dass der Figur ursprünglich eine Herrschergestalt zugrunde liegt. Vielleicht handelt es sich beim Gott mit der Keule um den vergöttlichten Herrscher. Sicher ist er kein Hauptgott, da er nicht angebetet wird. Eine Deutung der Figur mit der Keule als Schutzgott (schedu), und somit als männliches Pendant der Göttin Lamma, gibt Wiggermann (Wiggermann 1985/86: 26-28; zur Deutungsgeschichte vgl. Braun-Holzinger 1996: 249-252). Im klassischen altbabylonischen Kontext und auf der größten Siegelgruppe im Süden und im Norden erscheint der König/Gott mit der Keule in einer stereotypen Zweifigurenkonfiguration gemeinsam mit der fürbittenden Göttin (vgl. Keel-Leu/Teissier 2004: Nr. 127-128].

Parallelen:

al-Gailani Werr 1980: 43, Nr. 18a: früheste Beispiel dieser Konstellation, König mit Keule - Sābium ca. 1844-31.

Bibliographie:

Keel-Leu/Teissier 2004: 120f, Nr. 126; Keel/Schroer 2004: 102f, Nr. 54; Keel 2008: 47, Nr. 40.

DatensatzID:

358

Permanenter Link:

  http://www.bible-orient-museum.ch/bodo/details.php?bomid=358