Objekt:

 Rollsiegel, Kalkstein (§ 381-383), 43,5 x 14 mm.

Datierung:

 Neuassyrische Zeit (900-800 oder eventuell 900-700).

Herkunft:

 Assyrien.

Sammlung:

 Fribourg, Sammlungen BIBEL+ORIENT, VR 1992.24; Ex-Sammlung Bailey.

Darstellung:

 Jagd zu Wagen: Ein Bogenschütze im von zwei galoppierenden Pferden gezogenen Streitwagen zielt nach links auf ein zusammenbrechendes Rind. Über seiner linken Schulter sind Pfeile angedeutet, ihm zur Seite steht ein Wagenlenker. Die Räder sind sechsspeichig und haben einen doppelten Radkranz. Hinten am Wagenkasten steckt eine mit Quasten versehene Lanze. Die Deichsel steigt vorne beinahe senkrecht auf und lief ursprünglich evtl. in einen Entenkopf aus. Unterhalb der Pferdeköpfe drei Kugeln, drei Keile im Feld verstreut. Band mit im Zickzack angeordneten Schrägstrich-Bündeln als Umrandung.

Diskussion:

 Das zweite Pferd ist nur durch ein zweites Profil angedeutet. Die Deichsel steigt ungewöhnlich steil auf, ihr oberes Ende ist zerstört, könnte aber in den üblichen Entenkopf ausgelaufen sein, wie die Parallele Porada 1948: Nr. 660 deutlich zeigt. Ein Rätsel gibt die Parallele für die Umrandung aus Tall al-Ḥiṣn auf: Es handelt sich um ein Siegel mit ägyptischer Ikonographie. Es erwähnt den Thronnamen Ramses II. (1279-1213) und wird in der Regel diesem Pharao zugeschrieben. Der gleiche Thronname wurde aber auch von späteren Herrschern des frühen 10. und des frühen und mittleren 8. Jh. benutzt. Gefunden wurde es in einem Tempel aus der Zeit Ramses III. (1187-1156), in der untersten Schicht, Stratum 5, dessen Datierung nicht eindeutig ist. Interessant ist nun die Feststellung, dass das Siegel hinsichtlich des Materials, der überdurchschnittlichen Grösse, des flächig linearen Schnitts mit Innenzeichnung und eben der charakteristischen Umrandung dem neuassyrischen Typ des 9. Jh. entspricht. Für das Siegel gibt es weder in Palästina noch in Ägypten Parallelen – hingegen ist in puncto Ikonographie nichts Assyrisches auszumachen. Eine Winkel- und Zickzackbandumrandung findet sich schon auf einem kleinen Siegel aus Ugarit: Amiet 1992: Nr. 318, datiert 1550-1450. Wo und wann ist die Brücke zu schlagen? Vgl. Keel 1999: 219f. [ergänzter Text von Keel/Staubli 2001: Nr. 16: Die Wildrinder zu jagen, die die Felder verwüsten konnten, war in Ägypten und in Mesopotamien in der Regel Aufgabe und Privileg der Könige. Amenophis III. behauptet in einem Gedenkskarabäus, 96 Wildstiere getötet zu haben. In Medinet Habu wird Ramses III. auf der Wildstierjagd gezeigt. Assyrische Palastreliefs zeigen Assurnasirpal II. bei der Wildstierjagd.] [Autoren der Ergänzungen: Hildi Keel-Leu und Othmar Keel.

Parallelen:

Delaporte 1923: Taf. 89:12; Porada 1948: Nr. 660; Blankenberg-van Delden 1969: 16f, 57-61: zum Wildstierjagd-Skarabäus Amenophis' III; Rowe 1936: pl. 27:S.61: = Parker 1949: 13, Nr. 30; Tall al-Ḥiṣn (Bēt-Šə˒an) „13. Jh.“ (ägyptische Ikonographie), Umrandung; Parker 1949: 13, Nr. 30: = Rowe 1936: pl. 27:S.61 Tall al-Ḥiṣn (Bēt-Šə˒an) „13. Jh.“ (ägyptische Ikonographie), Umrandung; Collon 1987: Nr. 336: Nimrūd; Parker 1955: Taf. 14:3: Umrandung - Nimrūd; Collon 2001b: 60, Nr. 93, Nr. 186: Umrandung- Nimrūd; Amiet 1973c: Nr. 517: Umrandung, mit gleichem Thema, aber Raubvogel statt Rind; Strommenger/Hirmer 1962: Abb. 202 (British Museum no. WA 124532): zu den Reliefs Assurnasirpals II; Nelson et al. 1932: pl. 117: zum Relief Ramses' III, vgl. Keel/Staubli 2001: pl. 130.

Bibliographie:

Glock 1988: Nr. 97; Boisgirard 1992: Nr. 65; Keel/Staubli 2001: 39, Nr. 16; Keel-Leu/Teissier 2004: 179f, Nr. 180.

DatensatzID:

460

Permanenter Link:

  http://www.bible-orient-museum.ch/bodo/details.php?bomid=460