Objekt:

 Rollsiegel (konvexer Zylinder), Quarz (§ 362-364), 20,1 x 11 mm.

Datierung:

 Neuassyrische Zeit (Ende 8./Anfang 7. Jh.).

Herkunft:

 Assyrien.

Sammlung:

 Fribourg, Sammlungen BIBEL+ORIENT, VR 1981.109.

Darstellung:

 Adorationsszene vor Gott auf Tier, dreifigurig: In einer mit Kugeln verzierten Nische steht ein nach rechts blickender, bärtiger Gott bzw. eine Götterstatue auf einem flachen Sockel, der auf einen liegenden Stier gestellt ist; der Stier seinerseits ruht auf einem vertikal schraffierten Postament. Der Gott ist mit einem langen glatten, nur hinten mit einer Falte und Fransen sowie einem Fransensaum versehenen Gewand und mit einem von einer Kugel bekrönten hohen Polos bekleidet; von seinem Haupthaar fällt ein langes, unten eingerolltes Band über die Schulter. Er ist mit einem Schwert bewaffnet und hält in seiner nach unten hängenden Rechten und der nach vorn gestreckten Linken je drei Blitze, in Letzterer zusätzlich einen Ring. Vor ihm erhebt ein bärtiger Beter im langen, unten mit einem Kassettenmuster verzierten Schalgewand beide Hände zum Gebet. Den restlichen Raum füllen ein nach rechts gerichtetes, zurückblickendes ithyphallisches Wesen mit menschlichem Torso, Skorpionschwanz und Vogelfüssen, das in Atlantenpose einen ebenfalls zur Hauptszene hin blickenden Gott in der geflügelten und mit gegabelten Bändern versehenen Mondsichel stützt, sowie ein Stern über dem auf einem dreifachen Postament platzierten Spaten des Marduk, der mit Troddeln verziert ist, und dem Griffel des Nabû [Text von B+O im Original Nr. 39: Auf einem liegenden Stier steht in einer kugelverzierten Nische der Wettergott Hadad (kanaanäisch Baal). Er hält in jeder Hand drei Blitue. Vor ihm steht ein Beter, hinter diesem ein Skorpionmensch, der den Himmel trägt; neben ihm sind die Symbole Marduks und Nabus zu sehen, der Hauptgottheiten Babylons. Othmar Keel].

Diskussion:

 Die Entwicklung der anthropomorphisierten Sonnenscheibe – auf Siegeln tritt sie bereits in mittelassyrischer Zeit auf – ist bei Mayer-Opificius 1984: 199ff. nachzulesen. Der Beter ist im babylonischen Gebetsgestus bzw. mit zwei nach innen erhobenen Handflächen dargestellt; auch das glatte Gewand des Gottes ist babylonisierend.

Parallelen:

Keel-Leu/Teissier 2004: Nr. 157: gegabelte Bänder; Boehmer 1975: 357, fig. 106e: glattes Gewand und Armhaltung des Gottes auf Tier - Sanherib (705-681); Teissier 1984: Nr. 236: identisch ausgestatteter Gott mit gleicher Armhaltung im Bohrer-/Schleifradschnitt - 8. Jh; Collon 2001b: Nr. 278: Siegel im früheren Bohrer-/Schleifradschnitt, Nische mit Gott auf Stier - „end 9th, early 8th c.“; Herbordt 1992: Taf. 3:14: Wesen mit Skorpionschwanz - Kargamis, 702 a(?); Keel-Leu/Teissier 2004: Nr. 235, 235: Wesen mit Skorpionschwanz.

Bibliographie:

Keel-Leu/Teissier 2004: 212, Nr. 234; Keel et al. 2007: 59, Nr. 39.

DatensatzID:

532

Permanenter Link:

  http://www.bible-orient-museum.ch/bodo/details.php?bomid=532