Objekt:

 Plakette (modelgeformtes Relief eines Wagenschildes [Frontschild]), Terrakotta, 90* x 71 x 25 mm.

Datierung:

 wahrscheinlich Altbabylonische Zeit (1850-1595) oder Altbabylonisch (19.-17. Jh.).

Herkunft:

 Südmesopotamien (?), aus dem Handel.

Sammlung:

 Fribourg, Sammlungen BIBEL+ORIENT, VFig 2003.5.

Darstellung:

 In der oberen Kante des Wagenschildes sind zwei Löcher angebracht, das Bildfeld ist gerahmt. Links steht eine nach rechts gerichtete männliche Person mit Breitrandkappe, verwehtem Bart, einem über die linke Schulter drapierten Mantel, die linke Hand hält eine Keule, die rechte hängt herab. Rechts davon steht ihm zugewandt eine fürbittende Göttin mit mehrfacher Hörnerkrone im Falbelgewand. Über den beiden Figuren sind drei runde Symbole mit je einem Punkt im Zentrum. [Ergänter Text von Schroer 2008: Auf diesem Frontschild eines Modellwagens ist die Begegnung zwischen der in der altbabylonischen Kunst sehr beliebten fürbittenden Göttin (sum. lamma) und einer bärtigen Herrschergestalt mit Breitrandkappe und Keule dargestellt. Die Figur wurde früher «Gottkönig als Krieger» (Moortgat 1940) genannt. Ikonographisch steht sie in der Tradition der mesopotamischen Herrschertypologie (Naramsin, Gudea). Um einen Hauptgott handelt es sich nicht, da ihr keine Verehrung zuteil wird. Es könnte sich um einen vergöttlichten König handeln. Möglicherweise (Wiggermann 1985‑86: 26‑28; Braun‑Holzinger 1996: 249‑252; Assante 2006) steht der «König mit der Keule» bedeutungsmäßig der lamma (akk. lamassu) nah und ist ein männliches Pendant zu dieser Schutzgöttin, zu identifizieren mit dem Schutzgeist šēdu (sum. udug). Den vorliegenden Typ von Wagenmodell deutet Jutta Bollweg 1999: 47f als eigentlichen Götterwagen, bei welchem die auf dem inneren Frontschild dargestellten Gottheiten als im Wagen fahrend vorzustellen sind (Schroer 2008: Nr. 522).

Diskussion:

 Die beiden Hauptfiguren (fürbittende Göttin und König/Gott) vom Siegel Keel/Schroer 2004: Nr. 54; (Bollweg 1999: 159 Abb. 51.54; 161 Abb. 63-65; vgl. Keel/Schroer 2004: Fig. 55a). Der Gott mit der Keule gehört wie die nackte Göttin zu den Bildmotiven, die in der altbabylonischen Glyptik neu sind. Früher nannte man die Figur „Gottkönig als Krieger“ (Moortgat 1940). Typisch für die Gestalt ist die Pose des siegreichen Naram-Sin von Akkade auf seiner berühmten Stele (Pitchard J.B., 1954: Nr. 309; Keel O., ⁵1996c: Taf. 19). Ebenso dieser Figur vorbehalten ist der aufgefächerte, auch „verweht“ genannte Bart. Die Kleidung besteht aus einem Schal, der über den angewinkelten Arm herunterfällt und unten in einem über den kurzen Schurz herausragenden Zipfel endet. Weil die Kopfbedeckung die seit Gudea für Herrscher übliche Breitrandkappe ist, wird die Figur hier als „König mit Keule“ bezeichnet. Mit Blocher (1992: 66 Anm. 75) kann man sagen, dass der Figur ursprünglich eine Herrschergestalt zugrunde liegt. Vielleicht handelt es sich beim Gott mit der Keule um den vergöttlichten Herrscher. Sicher ist er kein Hauptgott, da er nicht angebetet wird. Eine Deutung der Figur mit der Keule als Schutzgott (schedu), und somit als männliches Pendant der Göttin Lamma, gibt Wiggermann (1985/86: 26-28; zur Deutungsgeschichte vgl. Braun-Holzinger 1996: 249-252). Im klassischen altbabylonischen Kontext und auf der größten Siegelgruppe im Süden und im Norden erscheint der König/Gott mit der Keule in einer stereotypen Zweifigurenkonfiguration gemeinsam mit der fürbittenden Göttin (vgl. Keel-Leu/Teissier 2004: Nr. 127.128).

Parallelen:

Van Buren 1930: 257, Nr. 1253, pl. 64:302-304; Bollweg 1999: 104f, Nr. 3:c 21-22, Abb. 64, 67; Wrede 2003: 311-313, Abb. 91:a-g, 337, Nr. 1218, Taf. 42:1116-1124, 45:1218: nur Gott/König als Krieger; Keel-Leu/Teissier 2004: Nr. 126-127: in der altbabylonischen Glyptik ist die Kombination dieser beiden Figuren häufig; Keel/Schroer 2004: 102: in der altbabylonischen Glyptik ist die Kombination dieser beiden Figuren häufig; vgl.; Opificius 1961: 85, Nr. 267: nur fürbittende Göttin.

Bibliographie:

Hirsch 2003: lot 162; Keel/Schroer 2004: 102f, Nr. 55; Keel 2007: 52, no. 41; Keel 2008: 48, Nr. 41; Schroer 2008: 288f, Nr. 529.

DatensatzID:

775

Permanenter Link:

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