Objekt:

 Figurine, Ton, 13,5 cm.

Datierung:

 EZ IIB-EZ IIC (8./7. Jh.)?

Herkunft:

 Syrien.

Sammlung:

 Fribourg, Sammlungen BIBEL+ORIENT, VFig 2005.22.

Darstellung:

 Das handgeformte Tongefäss zeigt ein aufgezäumtes, gehendes Kamel, das zwei grosse Amphoren trägt. Das Ausgussloch am unteren Ende des Halses könnte als Glocke aufgefasst worden sein. Die Amphoren werden oben durch Stricke zusammengehalten und sind in eine komplexe Sattelmontur am Kamel eingelassen.

Diskussion:

 Ein Mosaik in Bosra des 6. Jh. zeigt Lastkamele, die Glocken tragen. Bei dem Sattel handelt es sich um den sog. Palan-Sattel, der heute noch vorwiegend in Pakistan und Indien verwendet wird. Ausser auf dem erwähnten Mosaik aus Bosra ist er auf einem aus Kissufim (Palästina/Israel) von 570 n. Chr. zu sehen. Ein unserem Kamel ähnlich gestalteter Kamelkopf aus dem jordanischen Bozra datiert ins 7.-5. Jh. v. Chr. Ein ägyptisches Fayence-Gefäss eines Kamels aus dem 8./7. Jh. v. Chr. und die Darstellung eines Lastkamels auf dem assyrischen Relief, das die Deportation der judäischen Bevölkerung der Stadt Lachisch am Endes des 8. Jh. v. Chr. zeigt, weisen ähnliche Bepackungselemente auf. Die Domestikation des Kamels steht in engem Zusammenhang mit dem arabischen Fernhandel. Die ältesten Kamelsättel sind Packsättel. Sie wurden im 3. Jt. v. Chr. im Südosten der Arabischen Halbinsel entwickelt und sind heute noch auf der Insel Socatra und in Somalia in Gebrauch. Mit dem Aufkommen des Weihrauchhandels in der zweiten Hälfte des 2. Jt. v. Chr. gewann das Kamel allmählich an Bedeutung. So sind die Fussspuren eines Kamels auf dem Fussboden eines Hauses des 12. Jh. v. Chr. auf Tell Mischrife (Homs) bezeugt. Die älteste Darstellung einer Kamelkarawane stammt etwa aus derselben Zeit vom Tell Der Alla im Jordangraben (Jordanien). Im 1. Jt. v. Chr. war es im ganzen Vorderen Orient verbreitet. Unter den Nabatäern (ca. 500 v. Chr. - 500 n. Chr.) erlebte es seine glanzvollsten Zeiten. Bis zur Erfindung des Jeeps durch die Briten blieb es auf der Arabischen Halbinsel die unbestrittene Grundlage von Handel, Herrschaft und Reichtum. Thomas Staubli.

Parallelen:

Tait 1963: pl. 13:3; Bennett 1972: pl. 44a; Keel/Küchler/Uehlinger 1984: 136, Abb. 66; Keel/Staubli 2001: 4, 43f, Nr. 21; Keel/Staubli 2003: Nr. 21; Staubli 1998: mit Literaturangaben.

Bibliographie:

Walker 1996: no. 214; Mottahedeh 1997: no. 121; Keel/Staubli 2001: 43f, Nr. 21; Christie’s 2004a: lot 376; Christie’s 2005: lot 206; Keel et al. 2007: 45, Nr. 25.

DatensatzID:

9883

Permanenter Link:

  http://www.bible-orient-museum.ch/bodo/details.php?bomid=9883