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Pessach
 
     
 

Das Pessachfest ist eine Kombination von zwei ursprünglich unabhängigen Festen: Pessach und Mazzot. Der erste Schnitt der Gerste, der JHWH geweiht wurde, gehörte zu den Höhepunkten des bäuerlichen Jahres. Die frischen Körner wurden auf dem Feuer zu einer Art Popkorn geröstet. Bis Sauerteig aus dem Ansatz neuen Mehls entstanden war, ass man ungesäuerte Brote, sog. Mazzen.

Während das Mazzenfest einen bäuerlichen Sitz im Leben hat, ist das Pessachfest im engeren Sinn des Wortes nomadischen Ursprungs. Nach einer Theorie von Leonhard Rost wurde es im Frühjahr, beim Übergang von der Winter- zur Sommerweide gefeiert. Als rite de passage wurde ein Herdentier geschlachtet und dessen Blut an die Zelteingänge gestrichen, um Dämonen abzuwehren, die in der Gestalt von schädlichen Sandstürmen (arab. chamsin; «der fünfzig Tage Wehende»), die oft Krankheiten mit sich brachten, oder feindlich gesonnenen Sesshaften daherkommen konnten. Das Wort Pessach kann von hebr. passach (hüpfen, springen) abgeleitet werden und meint vielleicht das Überspringen (vgl. engl. Passover) der mit Opferblut bestrichenen Häuser durch den Dämon. Das Schlachttier wurde nach nomadischer Sitte mit Steppenkräutern gewürzt und am offenen Feuer gebraten.

Das alte Fest wurde in Israel in historisierender Weise mit dem Gedächtnis an den Auszug aus Ägypten und der Tötung der ägyptischen Erstgeburt verbunden und mit dem bäuerlichen Mazzenfest kombiniert. Ursprünglich ein Sippenfest (Ex 12,21), wurde es unter König Joschija zum Staatsfest (2 Kön 23,21-23), das am zentralen Heiligtum in Jerusalem gefeiert werden musste (Dtn 16,2.7). Doch in der tempellosen Exilszeit wurde das Fest schliesslich als familiäres Hausfest kodifiziert (Ex 12,1-14), als was es im rabbinischen Judentum bis heute betrachtet wird. Wer das wichtige Fest aus irgendeinem Grunde nicht feiern konnte, hatte vierzehn Tage später die Möglichkeit einer Nachfeier (Num 9,10-12).

In nachexilischer Zeit wurden die Pessachlämmer im Tempelvorhof geschlachtet, zubereitet und gegessen (2 Chr 30,1-5; 35,13f.), wie es die Samaritaner auf dem Berg Garizim noch heute tun. In römischer Zeit nahm man die zubereiteten Lämmer wegen der Menge der Leute mit nach Hause, wo man sie nach griechischer Sitte mit Vorspeisen, Wein und Gesang in fröhlichem Kreise ass. Seit der Zerstörung des Zweiten Tempels schlachten die Juden keine Pessachlämmer mehr. Das Pessachfest wird in einer häuslichen Feier, seit dem 10. Jh. nach einer schriftlich vorliegenden Ordnung (hebr. seder), gefeiert, wobei verschiedene symbolische Essgänge und Gegenstände an den Exodus, das Lamm und die Zeit des Tempels erinnern.

Nach der Überlieferung der synoptischen Evangelien war das letzte Abendmahl Jesu mit seinen JüngerInnen ein Pessachmahl. Nach johanneischer Darstellung wurde Jesus parallel zu den Opferlämmern als neues, sündentilgendes Pessachlamm am Kreuz geschlachtet.