Adresse

BIBEL+ORIENT Museum

Universität Miséricorde

Avenue de l‘Europe 20

CH-1700 Freiburg

Plan

 

Eintrittspreise

Ausstellungen: gratis

Führungen: 100.- bis 150.-

 

Öffnungszeiten

Di-Fr: 15:00-17:00

Sa+So: jederzeit auf Anfrage:

 

info.bom@unifr.ch

+41 26 300 73 87

 

Flyer

 

 

 

Livre d'Or
Livre d'Or

Prominente kommentieren ihre biblischen Lieblingstexte

Anstelle eines Patronatskomitee hat das Projekt BIBEL+ORIENT ein Livre d'or, in dem Persönlichkeiten aus Politik, Medien und Kultur ihre Lieblingszitate und -figuren aus der Bibel kurz kommentieren. Die angefragte Prominzenz steht mitten im öffentlichen Leben und trägt entscheidend zu seiner Gestaltung bei. Die Statements zeigen, wie die Weisheit des Orients und die Botschaften der Propheten auch in unserer säkularisierten Welt präsent sind und bei ihrer Gestaltung mitwirken.

 

 


 

franz_hohler

Franz Hohler, Cabarettist und Schriftsteller
02. Januar 2010

«Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen. Woher wird mir Hilfe kommen?»
Ps 121,1

Die Fortsetzung kenne ich auch, sie spendet den Trost für die Gläubigen.
Ich bin nicht gläubig, deshalb spricht mich die Bibel dort am stärksten an,
wo sie Fragen stellt, Fragen wie diese. Da sehe ich einen ängstlichen
Menschen am Fuss mächtiger Berge stehen, mit denen er klarkommen muss, einen
Menschen wie mich. Für mich sind die Berge zugleich ein Ort des Hochgefühls
und der Furcht. "Woher wird mir Hilfe kommen?" Am ehesten von denen, die mit
mir unterwegs sind, und von mir selbst. Ob da sonst noch jemand ist, hoch
über den Bergen? Ich weiss es nicht.

 



Alain Berset, Ständeratspräsident 2009
07. Dezember 2009

«Les Pharisiens se concertèrent pour voir comment prendre en faute Jésus en le faisant parler [...] Alors il leur dit: «Rendez à César ce qui est à César, et à Dieu ce qui est à Dieu. »
Matthieu 22, 15-21

Imaginons un triangle dont les trois sommets seraient les mots Religion, Eglise et Etat. Remplaçons le mot «religion» par le mot «individu», le mot «Eglise» par le mot «rassemblement» et l'Etat par le mot «collectivité» et voyons ce que cela donne. L'individu est une personne privée. Il peut revendiquer publiquement son approche personnelle s'il le désire. Il peut rejoindre d'autres individus et former un groupe. Ensemble, des individus peuvent former des associations et revendiquer, publiquement ou non, la somme et la convergence de leurs visions personnelles. La collectivité cherche quant à elle à concrétiser les aspirations, les conceptions et les valeurs d'une multitude d'individus. A travers les gens, elle se constitue en institution et devient un objet que tout le monde peut s'approprier et que l'on appelle l'Etat. Si la religion n'a rien à voir avec l'Etat, elle a en revanche à voir avec la multitude de personnes qui ont confié l'organisation et la préservation de leur cadre de vie à une collectivité: l'Etat. L'Etat n'est pas religieux en tant que tel, ou alors, cela voudrait dire que la religion est instrumentalisée à des fins de pouvoirs. L'Etat est cependant composé d'individus dont certains fondent leur comportement, leur réflexion et leur façon d'envisager le réel sur une approche religieuse, sur une pratique personnelle ou encore sur la foi. Cette phrase de l'Evangile peut être comprise comme un appel à nous engager au sein de la cité en nous appuyant sur nos convictions profondes.

 


 

Roger de Weck, Journaliste, Zurich et Berlin
10. Dezember 2006

Les premiers seront les derniers.
Matthieu 20,16

J'aime cette phrase, parce qu'elle est vraie et tellement fausse. Parce qu'elle est fausse et tellement vraie. Jésus nourrit l'espoir, ce que Dieu ne ferait pas. Et si la réponse à l'injustice est la justice plus tard, c'est bien que Jésus était homme avant de devenir fils de Dieu.





Giusep Nay, Alt-Bundesgerichtspräsident
4. Januar 2007

Richtet nicht, dann werdet auch ihr nicht gerichtet werden. Verurteilt nicht, dann werdet auch ihr nicht verurteilt werden.
Matthäus 7,1; Lukas 6,37

Wir Menschen neigen dazu, allzu schnell über andere zu urteilen und diese zu verurteilen. Da gebietet dieses an verschiedenen Stellen der Bibel überlieferte Jesuswort in wohltuender Weise Einhalt. Nicht nur, weil wir gar nicht in der Lage sind, über Mitmenschen «zu richten»; woran auch die im gleichen Textzusammenhang gestellte rhetorische Frage erinnern will: «Warum siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, aber den Balken in deinem eigenen Auge bemerkst du nicht?» Wir sind auch nicht befugt, uns als Richter über den Mitmenschen als solchen zu schwingen. Richter und insbesondere Strafrichter urteilen zwar von Berufs wegen und kraft ihres Amtes über Mitmenschen. Sie können und sollen aber ebenso wenig wie Menschen im Alltag den Mitmenschen richten und verurteilen, sondern stets allein dessen Taten und Werke. Wegen dieses Sinns, den ich dem angeführten Bibelzitat beimesse, ist dieses mir wichtig.




Pascal Couchepin, Conseiller fédéral
15. Januar 2007

Jusqu’à quand Jahvé m’oublieras-tu ? Jusqu’à la fin ?
Jusqu’à quand me vas-tu cacher ta face ?
Jusqu’à quand mettrais-je en mon âme la révolte, en mon cœur le chagrin de jour et de nuit ?
Jusqu’à quand mon adversaire aura-t-il le dessus ?
Psaume 13,2-3

J’aime ce texte car il est de tous les temps. Si Dieu existe pourquoi y a-t-il le mal ? Pourquoi des enfants souffrent-ils ? Pourquoi la mort ? Où était Dieu à Auschwitz ? Et pourquoi malgré l’absence de réponses, des millions de croyants ont continué à croire, à manifester de la compassion, à concrétiser l’espérance. C’est à mes yeux un texte d’un réalisme incroyable, d’une grande modernité malgré ses 2 500 ans.

 



Simonetta Sommaruga, Ständerätin, Köniz BE
15. Jan. 2007

Wie der Hirsch lechzt nach frischem Wasser,
so lechzt meine Seele, Gott nach dir.
Meine Seele dürstet nach Gott,
nach dem lebendigen Gott. Wann darf ich kommen,
und Gottes Antlitz schauen?
Tränen waren mein Brot bei Tag und bei Nacht;
denn man sagt zu mir den ganzen Tag:
"Wo ist nun dein Gott?"
Das Herz geht mir über, wenn ich daran denke:
wie ich zum Haus Gottes zog in festlicher Schar,
mit Jubel und Dank in feiernder Menge.
Meine Seele, warum bist du betrübt
und bist so unruhig in mir?
Harre auf Gott;
denn ich werde ihm noch danken,
meinem Gott und Retter, auf den ich schaue.
Psalm 42,2-6

Das ist für mich einer der großartigsten und ergreifendsten Psalmentexte. Da will jemand aus der Erstarrung ausbrechen, sich wieder lebendig fühlen. Die Verzweiflung droht überhand zu nehmen; die Erinnerung an bessere Zeiten verstärkt die Trauer noch. Und trotzdem kann der Beter / die Beterin in sich selbst eine unglaubliche, lebensrettende und lebensspendende Zuversicht mobilisieren: Der Durst wird gelöscht werden - wann, spielt keine Rolle mehr; die Quelle gibt es - das allein zählt in diesem Augenblick.




Lukas Hartmann, Schriftsteller
15. Januar 2007

In jener Stunde kamen die Jünger zu Jesus und fragten: Wer ist im Himmelreich der Größte. Da rief er ein Kind herbei, stellte es in ihre Mitte und sagte: Amen, das sage ich euch: Wenn ihr nicht umkehrt und wie die Kinder werdet, könnt ihr nicht in das Himmelreich kommen. Wer so klein sein kann wie dieses Kind, der ist im Himmelreich der Größte. Und wer ein solches Kind um meinetwillen aufnimmt, der nimmt mich auf.
Matthäus 18,1-5

Diese Szene appelliert an meine eigene Kindlichkeit, die dauernd bedroht ist von grauer Erwachsenenvernunft. Bewahre sie!, sagt Jesus. Das Kindliche im Menschen ist so kostbar, dass es der Schlüssel wird zur Erkenntnis eines viel Grösseren. Kindlichkeit, die das Himmelreich gewinnt, heisst für mich: Das Staunen nicht verlernen der Welt offen begegnen; dann erst kannst du über dich selbst hinauswachsen. Auch das Spielerische gehört dazu, das Lachenkönnen. Viele dieser Fähigkeiten waren in mir geschrumpft oder vergraben, als ich mit zwanzig glaubte, erwachsen zu sein. Ich musste sie zurückgewinnen; sonst hätte ich meine Kinderbücher nie schreiben können.




Klara Obermüller, Publizistin
12. Februar 2007

Um meines Knechtes Jakob willen,
um Israels, meines Erwählten, willen
habe ich dich bei deinem Namen gerufen;
ich habe dir einen Ehrennamen gegeben,
ohne dass du mich kanntest.
Jes 45,4

Es gibt in der Bibel viele verschiedene Gottesvorstellungen. Von allen ist mir diese am liebsten: dass Gott meinen Namen gekannt und mich gerufen hat, noch ehe ich überhaupt von ihm wusste. Der Jesaja-Satz ist für mich so etwas wie die Charta personaler Gottesbeziehung und ein überzeugender Gegenentwurf zu gängigen Projektionstheorien. Hier wird Gott nicht auf ein Bild reduziert, sondern in Beziehung zu mir gesetzt. Er war da vor allem Suchen nach ihm. Er ist da und ruft mich bei meinem Namen, unabhängig davon, ob ich an ihn glaube oder nicht. Die Vorstellung hat etwas Unausweichliches und lässt doch das tiefste Geheimnis des Göttlichen unangetastet.




Ruth Dreifuss, Alt-Bundesrätin
25. Febr. 2007

«Le livre Ruth»

L'ancien testament est si riche de personnages et de situations qu'il m'est difficile de donner la préférence à un passage plutôt qu'à un autre. Mais puisqu'il me faut faire un choix, citons d'abord Ruth: son nom signifie, en moabite, l'amie. Elle symbolise la fidélité et n'hésite pas à se rendre dans un pays étranger, hostile même, pour accompagner et soutenir sa belle-mère Noémie. Une histoire de migration, avec tous ses risques et ses chances. Qu'elle soit l'ancêtre du Roi David et, par lui, de Jésus de Nazareth la place dans la lignée forte du peuple juif. Mais il me faut aussi évoquer Amos. Ce «petit prophète», berger de son état, se fait le véhément porte-voix d'une colère divine, sans crainte de la censure des puissants. Ce qu'il dénonce, c'est l'injustice sociale, l'âpreté au gain des riches et la corruption. La rhétorique de ce révolutionnaire et ses visions du glaive et du feu punissant une société qui exploite la misère ne sont pas très éloignées du discours de certains fondamentalistes contemporains. Ce qui les distingue cependant, c'est que je perçois dans les textes d'Amos le respect de la vie et la liberté envers les dogmes. «Cherchez moi et vivez!», dit-il. Vivez et respectez la vie de tout être humain, car vous en êtes comptable.




Daniel Keel, Verleger
27. Febr. 2007

Es ist alles ganz eitel, sprach der Prediger, es ist alles ganz eitel. Was hat der Mensch für Gewinn von all seiner Mühe, die er hat unter der Sonne? Ein Geschlecht vergeht, das andre kommt; die Erde aber bleibt ewiglich.
Ich sah an alles Tun, das unter der Sonne geschieht, und siehe, es war alles eitel und Haschen nach Wind.
Denn wo viel Weisheit ist, da ist viel Gram, und wer viel lernt der muss viel leiden.
Alles hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde.Geboren werden hat seine Zeit, Sterben hat seine Zeit. Weinen hat seine Zeit, Lachen hat seine Zeit. Schweigen hat seine Zeit, Reden hat seine Zeit. Lieben hat seine Zeit, Hassen hat seine Zeit.
Da merkte ich, dass es nichts Besseres dabei gibt als fröhlich sein und sich gütlich tun in seinem Leben.
Und noch anderes sah ich unter der Sonne: an der Stätte des Rechts war Unrecht, und an der Stätte der Ge­rechtigkeit war Frevel.
Es fährt alles an einen Ort; es ist alles von Staub gemacht und wird wieder zu Staub.
So sah ich denn, daß es nichts Besseres gibt, als dass ein Mensch fröhlich sei bei seiner Arbeit.
Wiederum sah ich alles Unrecht, das geschah unter der Sonne; und siehe, da waren die Tränen derer, die Unrecht litten, und hatten keinen Tröster.
Da ist einer allein und hat weder Kind noch Bruder und seines Arbeitens ist kein Ende. So ist’s besser zu zweien als allein; denn sie genießen doch ihrer Arbeit Lohn.
Auch wenn zwei beieinander liegen, wärmen sie sich; wie kann ein einzelner warm werden?
Das ist das Unglück bei allem, was unter der Sonne geschieht; daß es dem einen geht wie dem andern; auch ist das Herz der Menschen voll von Bosheit und Torheit, solange sie leben; danach müssen sie sterben. Bei allen Lebenden ist noch Hoffnung; denn ein lebender Hund ist besser als ein toter Löwe.
Der Prediger war nicht nur weise, er lehrte auch das Volk Einsicht und forschte, und dichtete viele Sprüche. Er suchte, dass er angenehme Worte fände, und bemühte sich, die Worte der Wahrheit richtig niederzuschreiben.
Und über alle dem, mein Sohn, lass dich warnen, denn des vielen Büchermachens ist kein Ende, und viel Studieren macht den Leib müde.
Der Prediger/Kohelet 1,2-4.14.18; 3,1-2.4.7.8.12.16.20.22; 4,1.8-9.11; 9,3-4; 12,9-10.12

Was mir an diesem Prediger gefällt, ist sein Realismus. In unserer Zeit des Leisetretens, des Beschönigens, des Mitmachens und des Verdrängens ist dieser Text geradezu eine Wohltat. Die Stimme dieses Predigers, ist eine wunderbare Mischung aus Lebenserfahrung, Poesie und Lakonik und wirkt wahrhaftig ernüchternd. Und das soll sie auch. Ähnlich drastisch ist der rebellische Hiob. Aber lesen Sie selbst im Alten Testament.




Urs Schwaller, Ständerat, Tafers/FR
4. März 2007

Der Größte von euch soll euer Diener sein. Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden.
Matthäus 23,11-12

Immer öfters stelle ich fest, dass der Umgang miteinander, in Form und Ton, härter und ungeduldiger wird. Fehlende Zeit und oftmals auch mangelnde Sozialkompetenz werden durch das Gewicht des in der Befehlsstruktur sogenannt Stärkeren ersetzt. Vieles ginge aber besser, wenn mehr Leute die Kraft fänden, dem anderen jenen Respekt zu zollen, den sie für sich selbst verlangen und nicht sofort mit dem kleinen Maß des Pedanten zu messen. Selbstüberschätzung mag ich nicht und noch viel weniger Leute, die glauben «mehr» zu sein. Mit sich selbst im Einklang und zufrieden zu sein, schöpft sich gerade auch aus der Achtung gegenüber dem anderen. Nur wer jeden Tag versucht, etwas mehr Mensch zu werden, lebt in der wirklichen und nicht bloß in einer Scheinwelt.




Ruth Lüthi, Altstaatsrätin, Freiburg
12. März 2007

Alle, die zum Glauben fanden, hielten zusammen und hatten alles gemeinsam, verkauften Hab und Gut und teilten davon allen zu, je nachdem einer bedürftig war.
Apostelgeschichte 2,44-45

Mein politisches Engagement beruht auch auf christlichen Werten, die mir in meiner Erziehung vermittelt wurden. Ich denke, dass eine kapitalistische Weltordnung wie sie heute existiert, schlecht mit den christlichen Werten vereinbar ist. Solidarität, Teilen und Umverteilen sind Prinzipien, die unsere politische und gesellschaftliche Arbeit leiten sollten, auch wenn sie nicht immer leicht zu praktizieren sind.




Joseph Deiss, Ancien Conseiller fédéral
8. Mai 2006

Il (l'amour) supporte tout, croit tout, espère tout, endure tout.
1Co 13,7

J'aime ce passage, car il ne nécessite aucun commentaire!







Linard Bardill, Liedermacher
21. Mai 2007

Jesus sprach: «Steht nicht in Eurem Gesetz geschrieben: ‹Ich habe gesagt: Ihr seid Götter?›»
Joh 10,34

Ein dunkler Text, der die Menschen zu Göttern macht. Uns, die hinfälligen, sündigen, gefallenen Menschen. Der Satz, der ursprünglich aus dem Psalm 82 stammt, ist dort schon unerhört, die Tatsache, dass Jesus ihn in Johannes 10.34 nochmals wiederholt und bekräftigt ist der Gipfel. Nicht ein auf Knien rutschender Büßer, ein Gott sei er, der Mensch. Dieser Satz ist eine Zusage und eine Bürde zugleich. Wie immer man ihn aufnimmt, er fordert und gesteht zu, er beleuchtet und verdunkelt. Ein Fels, an dem ich mich aufrichte ein Brocken der mich zu Grunde richten kann. Ein Baustein, der zum Eckstein wird, weil er Dickschädel spaltet. Gute Texte sind so. Billiger sind sie nicht zu haben.