Kontakt:

Sammlungen BIBEL+ORIENT

Universität Freiburg

Büro MIS 6114

Av. de l‘Europe 20

CH-1700 Freiburg

 

Geschäftsführer

Dr. Andreas Dorn

+41 26 3007359

collections@unifr.ch

 

Sammlungsleiter

Leonardo Pajarola

+41 26 3009000
collections@unifr.ch

Weitere Gattungen
Manuskripte

Die Sammlungen beherbergen u.a. drei Torarollen und einen samaritanischen Kodex.

 

Jüdische Tora

Der Wortlaut der Tora wird im Verlauf eines Jahres im synagogalen Gottesdienst laut vorgetragen. Am Jahresende wird die Torarolle feierlich zurückgerollt und so für eine neue Lesung vorbereitet. Seit dem 3. Jh. v. Chr. hat sich der Konsonantenbestand der hebräischen Bibel in der lebendigen synagogalen Überlieferung kaum noch verändert.

Der abgebildete Ausschnitt zeigt den aaronidischen Segen in Numeri 6,24-26:
«JHWH sege dich und behüte dich!

JHWH lasse sein Angesicht über dir Licht werden und sei dir freundlich!
JHWH wende dir sein Angesicht zu und gebe dir Heil (hebr. schalom)!»
Zwei Varianten des aaronidischen Segens wurden in Gräbern vom Ketef Hinnom bei Jerusalem auf Silberröllchen aus dem 5. Jh. v. Chr. gefunden. Bis dato handelt es sich um die ältesten schriftlich erhaltenen Bibeltexte.


Pergament; L. 35m, Kolumenb.19 cm; Galizien (?); 18./19. Jh. n. Chr.; Ms 2000.1.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Samaritanische Tora

Die samaritanische Textüberlieferung erfolgt bis heute in einer Variante der althebräischen Schrift, die in hasmonäische Zeit (2. Jh. v. Chr.) zurückgeht. 128 v. Chr. liess Johannes Hyrkan den Tempel der Samaritaner auf dem Garizim zerstören. Dieser feindliche Akt führte wahrscheinlich zum Schisma mit den Juden.

Samaritanische Pentateuche sind äusserst selten und nur in den größten Bibliotheken der Welt vorhanden. Der Fribourger Kodex ist bis auf fünf Seiten komplett und gut erhalten. Er wurde in sehr qualitätvollen Buchstaben geschrieben. Kussspuren auf dem aaronitischen Segen, abgegriffene und reparierte Seitenränder zeigen, dass er lange Zeit in einer samaritanischen Synagoge verwendet und verehrt worden ist.

Es gibt einige ideologische Abweichungen zwischen Masora und Samaritanus. Beispiel 1 in der Masora: «Ihr sollt diese Steine…auf dem Berge Ebal aufrichten und sie mit Kalk übertünchen…» Im Samaritanus: «Ihr sollt diese Steine…auf dem Berge Garizim aufrichten und sie mit Kalk übertünchen…» (Dtn 27,4). Beispiel 2 in der Masora: «An jedem Ort, an dem ich meinem Namen ein Gedächtnis stiften werde, will ich zu dir kommen und dich segnen.» Im Samaritanus: «An dem Ort, an dem ich meinem Namen ein Gedächtnis gestiftet habe, will ich zu dir kommen und dich segnen» (Ex 20,21). Diese Stelle ist auf dem abgebildeten Ausschnitt zu lesen, der Ex 20,22-26 umfasst.

 

Pergament (Gazelle oder Ziege), 260 fol, H. 37-38 cm; Nablus (?), 1495/96, Kantons- und Universitätsbibliothek Fribourg L 2057 und Sammlungen BIBEL+ORIENT.

 

Die Manuskriptabteilung wird von Prof. J. Oesch betreut.