Rollsiegel

Rollsiegel sind kleine zylindrische Objekte aus eingraviertem Hartstein. Sie wurden auf einem weichen Untergrund wie z.B. rohem Ton abgerollt und dienten meist zum Versiegeln von Waren. Es handelt sich um eine typisch mesopotamische Siegelform, die in der zweiten Hälfte des 4. Jahrtausends v. Chr. fast zeitgleich in Susa (südwestlicher Iran) und in Uruk‐Warka (Südirak) aufkam. Rollsiegel sind die einzigen in grosser Zahl belegten und erhaltenen Bildträger aus allen Epochen des antiken Vorderen Orients. Sie ermöglichen es, die stilistische Entwicklung der mesopotamischen Kunst nahezu lückenlos zu verfolgen.

 

Rollsiegel eines Hafenkommandanten. Der heilige Baum auf dem Erdberg (vgl. Ez 31; Dan 4) stellt zusammen mit dem Sonnengott in der geflügelten Scheibe «Himmel und Erde» dar, die heile Welt, die durch den Kult der zwei flankierenden Gestalten in Gang gehalten wird. Rechts ist eine bewaffnete Göttin zu sehen, wahrscheinlich die kämpferische Ischtar mit dem achtstrahligen Stern. – Hellbeiger Jaspis; H. 4,4 cm; Nördlicher Irak; assyrisch (9. Jh. v. Chr.); VR 1981.112.

Publikationen

  • Keel‐Leu, Hildi/Teissier, Beatice, 2004, Die vorderasiatischen Rollsiegel der Sammlungen BIBEL+ORIENT der Universität Freiburg Schweiz /The Ancient Near Eastern Cylinder Seals of the Collections BIBLE+ORIENT of the University of Fribourg (OBO 200), Freiburg CH/Göttingen.